siebter juli vormittags lyrics – heinz rudolf kunze

siebter juli vormittags.
eingekreist von rasenmaehern
und dem keuchen von kaffeemaschinen
arbeitsloser junglehrerinnen,
die sich nackt am kuechentisch kruemmen und
an ihren zweierbeziehungen wuergen, kinder-
geschrei in der ferne,
wie das letzte signal eines zuges nach sueden,
kurz bevor er in den tunnel von duerrenmatt
eintritt, der tunnel ohne ausgang,
der tunnel direkt zum erdmittelpunkt.
die hausfrauen sehen aus wie auffahrunfaelle,
der tonfall ihrer verleudmungen
klingt wie vollbremsung
mit ein paar kommas dazwischen.
oma schneidet der vorgartenhecke verschmitzt
eine punker-frisur.
jedem land das wetter, das ihm gebuehrt,
wie auf erden, also auch im himmel:
nichts als verp*sste chancen.
hier p*ssiert nichts mehr.
hier ist alles immer geteilter meinung,
halbe-halbe, einerseits-andererseits,
ausgewogen, weggelogen, geteilte freude,
doppeltes leid,
die leute halten ihr geschlechtsteil in den wind
und bitten um entsaftung,
sie fluechten in ihre privaten kirchen
und mancher nennt sie tranqulizer
noch oblaten,
keiner ist unersetzlich,
jeder ist ein superstar,
alle sind von morgens bis abends muede,
kein wunder,
denn es immer schon zu spaet.
wie machen sie das bloss – zu leben? wie
schaffen sie das noch? ich meine,
eine rakete pro kopf,
die wiegt schliesslich einiges,
d*ss das nicht jeden sofort zu boden drueckt,
erstaunlich. wir sind eben doch die herrenr*sse,
ich weiss, diese meinung ist augenblicklich
noch
nicht
wieder
populaer, aber sei’s drum, wir halten was aus,
und bei den selbstmoerdern, aussteigern,
friedensfetischisten
stimmt sicherlich irgendwo was
mit dem stammbaum nicht.
siebter juli vormittags. fruehp*b*rtaere bettnaesser
polieren ihr motorraeder blitzblank,
ganz wie der vati den bmw.
im c*ssettenrecorder
rauscht die neue deutsche welle,
die oelpest der tonkunst,
mit ihren millionen von verklebten,
erstickten ohrmuscheln.
woran denken diese kinder nachts?
wir hatten damals
mit schirm, charme und melone und vor allem
emma peel, und jeder unserer traeume
begann mit dem geraeusch
des reissverschlusses von ihrem
schwarzen knautschlack-kampfanzug…
heute bleibt den hohlw*ngigen,
glutaeugigen knaben nur die
muppets-show,
miss piggy,
schweine im weltraum.
ich moechte nicht juenger sein als ich bin.
wenn ich alles noch einmal machen koennte,
wuerde ich vermutlich gar nichts machen.
und wenn ich mich jetzt unterm tisch verstecke
und ausserdem absolut still verhalte
ruft bestimmt gleich jemand an
und fragt mich
wie es mir geht.

/ heinz rudolf kunze lyrics